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Bericht Dampfjacht Seebote 1999 (0,74MB, pdf)

Technische Details zur „FELICITAS“

Die Salon-Dampfjacht „Felicitas“ ist ein nach alten Plänen gebautes Schiff. Es handelt sich um den Original-Nachbau einer, um 1890 gebauten englischen „Steam-Lounch“, mit 10,75 Metern Länge und 2,52 Metern Breite. Die maximale Personenzahl incl. Besatzung an Bord liegt bei 15.

Die Vorbereitungen für eine Fahrt wie beispielsweise das Anheizen des Kessels und die Kesselwasserkontrollen dauern mehr als eine Stunde und duerfen nur vom Heizer oder in seinem Auftrag durchgeführt werden.

Die edle Verarbeitung, Liebe zu Detail und die stilgerecht Ausstattung, lassen eine Fahrt mit ihr zum echten Erlebnis werden.

Die Kesselanlage auf der „Felicitas“ wird ausschließlich mit mehrjährigem, trocken gelagertem Buchenholz beheizt. Da grundsätzliche keine fossilen Brennstoffe verwendet werden erfolgt die Energiegewinnung auf ausgesprochen umweltfreundliche Art und Weise.

Das Schiff verfügt über einen hohen Sicherheisstandard:

ABS (Amerikan Bureau of Shipping) Zertifikat A

Der Maschinist bei der Arbeit

Die Schale/der Rumpf:

Gebaut 1991 von Bootsbau H. Biatel, Entwurf Prof. H. Salzmann, 10,80 x 2,52 x 0,55 m, Verdr. 4,8 t, Mahagoni formverleimt WEST-System, Teakdeck, Gesamt 15 Pers. (davon 8 Plätze im Salon), vollständig überdacht mit verglastem Steuerstand im Vorschiff, kompl. Sicherheitsausrüstung, Fahr- und Hafenpersenning.

Die Maschine:

Einzylinder-doppeltwirkende Einfachexpansions-Heißdampfkolbenmaschine mit Stephensonscher Umsteuerung, STUART 5A², gebaut 1990 von E. Stark, gasnitrierte Laufbüchsen, System von R. Schaffer und J. Maginot) 114,3 x 101,6 mm, 13,5 Pse, 320 rpm, 2 m² atmosph. Scoopcondenser, 2 Differential-kolbenspeisepumpen, Speisewasservorwärmer 0,9 m², Lichtmaschine 12 V, 350 W.

Antrieb:

Homokinetische Gelenkwelle, 3-Blatt Festpropeller 625 x 875 mm, Bronze

Kessel:

Schottischer Schiffskessel, Bauart Clyde, gebaut 1991 von Kesselbau E. Huggler, Konstruktion R. Schaffer, Heizfläche 6,84 m², Überhitzer 0,9 m², 12 bar, 260 °C, 160/180 kg/h, Rostfläche 0,3 m², Holzfeuerung ca. 35 kg/h.

Hilfsanlagen:

Speisewasserenthärtung (Ionenaustauscher), Kondensattank 80 l, 1 Doppelhandspeisepumpe, Zwei-Handpumpen (Lenz-/Kühlwasser), el. Hilfskühlwasserpumpe, el. Lenzpumpe, Ladegerät, Batterie 12 V 55 Ah, Windermerekessel.

Steuerung:

Hydraulische Doppelsteuerung, Balanceruder, Notpinnensteuerung.

Instrumente:

Kompaß, Sumlog, Volt- und Amperemeter, Funkuhr, Barometer.

Geschwindigkeit:

7,2 kn (13,3km/h)

Zulassungen:

TÜV-(A)/(D), (Kesselbuch), Bodenseezulassung, Klassezeichen des American Bureau of Shipping ABS Hull & Machinery - @ A1, @ AMS, Yachting Service. Standort Wasserburg/ östlicher Bodensee, Deutschland.

Abschrift aus der Zeitschrift "Skipper" 9/2009, Revier-Tipp S. 78-80, von Sophie Plitz:

Im 19. Jahrhundert waren Dampfyachten besonders im England populär. Staatsoberhäupter nutzten sie zu Repräsentaionszwecken, bei der priviligierten Oberschicht galt eine eigene, dampfbetriebene Yacht als Statussymbol. Die etwas kleinere Kategorie der Dampfyachten stellten die so genannten "Steam Launches" dar. Diese Boote waren zwischen 6 und 18m lang, zum Teil komplett offen, aber auch mit kleinen Kabinen oder überdachten Sitzplätzen ausgestattet. Alle Modelle verfügten über äußerst schnittige und schlanke Linien und waren aus feinstem Holz gebaut. Konzipiert wurden die laufruhigen Vergnügungsboote einst für beschauliche Fahrten auf Flüssen, Seen und Kanälen. Ferner dienten die Steam Launches den großen Dampfyachten als Beiboote, wurden als Tenderboote der großen Überseedampfer eingesetzt oder schipperten in den Häfen als kleine Personenfähren, oder - meinst mit einem einfachem Interieur - als Festmacherboote. Nach dem ersten Weltkrieg verschwanden die Dampfboote jedoch nach und nach von den Gewässern, viele Dampfyachten und Steam Launches wurden auf Dieselmotoren umgerüstet. Mitte der 1960er-Jahre erlebten sie jedoch eine Renaisance - zahlreiche stillgelegte Schiffe wurden wieder instandgestellt oder von Dampfboot-Liebhabern neue gebaut - so auch die Felicitas.

Fazination Dampf

Das Salon-Dampfboot Felicitas zählt zu den Schmuckstücken des Deutschen Dampfbootvereins (DDV). Dieser wurde 1983 von elf Dampfboote-Enthusiasten gegründet. Auch Karl Schmid aus Wasserburg am Bodensee schloss sich dem dem Verein an und gab 1991 den Bau des ... fünf Tonnen schweren Dampfbootes in Auftrag. Die nach Schmids Ehefrau benannte Felicitas entstand nach 100 Jahre alten Original-Plänen. Die renommierte Bootswert Biatel aus Hard bei Bregenz baute den Rundspanner aus formverleimten Mahagoni. Die einzylinder-Maschine mit Stephenson-Steuerung stammt von der Firma Emil Stark aus Österreich. Die Dampfmaschine leistet 9,4kW (12,8PS) und beschleunigt das Boot auf 7,5 Knoten. Aufgrund des hohen Drehmoments bei bereits geringer Drehzahl genügt bei einer Dampfmaschine eine weit kleinere Leistung um ein Boot auf die maximale Rumpfgeschwindigkeit zu beschleunigen.
Der liegende Rauchrohrkessel mit trockener Wendekammer konstruierte Roman Schaffer. Während in anderen Dampfyachten auch Kohle, Öl oder Gas als Brennstoff dienen, wird die Kesselanlage der Felicitas ausschließlich mit mehrjährigem, trocken gelagertem Buchenholz beheizt. Pro Betriebsstunde kommen 35 Kilogramm Holz in den Ofen. "Da grundsätzlich keine fossilien Brennstoffe verwendet werden, erfolgt die Energiegewinnung auf ausgesprochen umweltfreundliche Art und Weise", sagt die heuteige Eigernin Felizitas Schmid. Bei ihren Vergnügungsfahrten im 19. Jahrhundert legten die Steam Launches unterwegs oft für ein Picknick am Land an. Um bei diesen Gelegenheiten auch heißen Tee servieren zu können, erfand man den sogennanten Windermere-Kessel, der mit dem Dampfkessel verbunden in wenigen Minuten Wasser zum Kochen bringt. Auch die Felicitas verfügt über diesen Teekessel. "So können wir unseren Gästen an kalten Tagen heiße Getränke an Bord anbieten", so Schmid.

Enormer Wartungsaufwand

Früher wurden die Dampfboote nicht vom Eigner - sowohl das Steuern wie auch das Heizen wurde als nicht standesgemäße Beschäftigung für einen Bootsbesitzer angesehen - sondern von einem Kapitän gesteuert. Dampfboot-Liebhaber Karl Schmid fuhr seine Felicitas selbst. Nach seinem frühen Tod im Herbst 1998 über nahm erster Maschinist Johannes Maginot das Ruder. Noch heute ist er Kaptän, Steuermann, Maschinist und Heizer in einer Person. "Der Umgang mit einer Dampfmaschine erfordert enorme technische Kenntnisse", weiß Felizitas Schmid. Diese bringe der Hubschrauber-Techniker Johannes Maginot allein schon Berufs wegen mit. Doch auch die aufwendige Pflege des Schiffes erledigt er mit Hingabe. Der Wartungsaufwand für die Felicitas ist enorm. Doch das spielt für Johannes Maginot und Felizitas Schmid keine Rolle. "Ein Dampfboot ist eben ein Liebhaberstück", sagt Schmid die das Gästehaus Seemann in Wasserburg betreibt. Sie und Johannes Maginot, der die Felicitas ein- bis zweimal die Woche in Bewegung setzt, sind heute noch Mitglieder im Deutschen Dampfbootverein. Dieser zählt mittlerweise 170 Mitglieder, die derzeit 43 Dampfboote - zum Teil historische Originale aus der Jahrhundertwende - betreiben. Die Zahl der Mitglieder und weiterer Boote steigt beständig. Die Dampfbootfreunde treffen sich regelmäßig zur Exkursion und zum Austausch von Erfahrungen, zu wassersportlichen Veranstaltungen und zu gemeinsamen Fahren bei regionalen Treffen. Weitere Infos über den Verein unter www.dampfboot.de

Nostalgische Rundfahrten

Wurde die Felizitas anfangs noch rein privat genutzt, transport sie inzwischen auch Gäste. Seit 2000 hat das Boot eine Bodenseezulassung und ist als Passagierschiff für 14 Personen zugelassen. "Dadurch decken wir die enorm hohen Betriebskosten", sagt Schmid. Die Felicitas kann...